Buchvorstellung - Polarexpedition
Copyright Baumhaus-Verlag 2009Mit dem Gespann zum Polarkreis – das ist für Globetrotter oder solche, die dafür gehalten werden wollen, heutzutage fast schon ein Muss. Doch mitten im Winter bis in das ewige Eis hat es bisher nur einer geschafft: Geheimagent Morris. Sein drittes Abenteuer führt den ehemaligen Jagdhund, Schäferhund, Lawinenhund, Polizeihund und Schlittenhund in die Nordpolregion, wo er das rätselhafte Verschwinden zahlreicher Robben aufklären soll. Bald stellt sich heraus, dass es um deren Felle geht und dass das bereits einmal von Morris in den Knast gebrachte Schwein Billig hinter der Sache steckt.
Eigens für diese Expedition rüstet der Geheimagent sein betagtes BMW-Gespann konsequent auf Winterbetrieb um. Dass Morris und seine Helfer die Mission zu einem glücklichen Ende bringen, versteht sich von selbst. Doch wie – das müssen Sie schon selbst lesen. Auch wenn Jan Bircks dritter Band der Reihe "Geheimagent Morris" wiederum in erster Linie ein Kinderbuch ist, dürften Erwachsene ebenfalls ihren Spaß an der durchaus hintergründigen Geschichte haben. Jedenfalls passt dieses liebevoll illustrierte Buch bestens unter den Christbaum jeder gespannbegeisterten Familie.
| Jan Birck - Geheimagent Morris Expedition Nord-Pool, 1. Auflage 2009. Baumhaus Verlag GmbH, Format 17,5 x 25 cm, zirka 60 Zeichnungen in Farbe, 48 Seiten, ISBN 978-3-8339-3853-5, Preis 12,99 Euro |
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| Bild: Copyright Jan Birck/Studio88 2009 |
Wie sich das in seinem Job gehört, agiert Geheimagent Morris als echter Tausendsassa. Da liegt es nahe, dass sein Schöpfer Jan Birck, Jahrgang 1963 und Vater zweier Söhne, nicht minder vielseitig ist. Und in der Tat: Der Münchner Designer versteht sich auf das Illustrieren von Büchern, Comics, Trickfilmen, Puzzles und Werbebotschaften ebenso wie auf das Erfinden packender Geschichten. Wie Birck dazu kam, einen Behördenhund im Ruhestand zum Gangsterjäger à la James Bond zu motivieren, und warum der bei seinen Missionen ausgerechnet ein betagtes Motorradgespann als Beförderungsmittel einsetzt, klärt unser Interview.
| GN: Herr Birck, was gab für Sie den Anstoß zur Buchserie "Geheimagent Morris"? | JB: Nach vielen Jahren als Auftrags-Illustrator wünscht man sich Projekte, die aus einem selbst geboren werden. Ende des letzten Jahrtausends stellte ich mir deshalb verschiedene Fragen: z.B. welcher Zeichenstil macht mir persönlich Spaß, oder was interessiert gleichzeitig mich selbst und meine Kernzielgruppe , also alle zwischen vier Jahren und unendlich? Da ergab sich schnell eine angenommene Schnittmenge: Motorradabenteuer, James Bond und Swimming-Pools. Und weil das auch meine Jungs interessierte, war ein tierischer Held geboren: Geheimagent Morris, unterwegs auf einem Motorrad mit einer Badewanne als Beiwagen. |
| GN: Morris bevorzugt für seine Einsätze ein Gespann. Das lässt auf eine Affinität des Autors zum Beiwagen schließen? | JB: Selbst habe ich nie ein Gespann gefahren. Mein persönlicher zweirädriger Begleiter ist seit nunmehr über 20 Jahren der Schek-Umbau einer BMW .Genauer gesagt: ein weitgehender Schek-Umbau, denn der Tank stammt von HPN, zwei Auspuffkrümmer aus einem VW Käfer und die sogenannten Endschalldämpfer tragen die Prägung „Yamaha Skyway“. Aber ein Gespann ist für mich ein Gerät, das für Teamwork steht. Und genau das sollten Morris, sein kleiner Freund „Pepe“ und „Professor Mumpitz, das Phantom“ umsetzen und ausstrahlen: Teamgeist, eine Eigenschaft, die mir sehr am Herzen liegt und sich auch in anderen Projekten wiederfindet. |
| GN: Warum fungiert eine Badewanne als Beiwagen? | JB: Letztlich hatte der geniale Erfinder Professor Mumpitz diese Idee. Eine Wanne arbeitet wie ein Bootsrumpf und ermöglicht durch das Zusammenwirken mit dem Motorrad und gegenüberliegenden Schwimmern dessen Schwimmfähigkeit. Im Gespann mit einer Badewanne entsteht ein Amphibienmotorrad, sofern man nicht vergisst, den Ablauf mit dem Stöpsel zu verschließen. |
| GN: Könnten Sie sich vorstellen, Ihre beiden Söhne mit einem Gespann an Ihrer Motorradleidenschaft teilhaben zu lassen? | JB: Vor vierzehn Jahren, als mein erster Sohn geboren wurde, hatte ich daran gedacht. Aber damals wollte ich meiner BMW nicht untreu werden. Zwei Maschinen konnte ich mir auch nicht leisten. Heute könnte ich das zwar, aber heute hat sich entweder die Situation draußen auf den dichter befahrenen Straßen verschärft oder zumindestens mein Gefahrenbewußtsein. Ich werde wohl alt, so wie Geheimagent Morris und ziehe mehr und mehr den Rückzug in eine alte Windmühle dem Risiko vor, dem ich meine Söhne nicht aussetzen möchte. Die bollern jetzt friedlich mit mir in einem 87er Sechszylinder-Boxer, ein Schnäppchen, um den Stock. Allerdings: durch Afrika würde ich mit einem Gespann und meinen Söhnen wohl noch mal fahren... wer weiß. |
| GN: Wird es weitere Bände mit Morris-Abenteuern geben? | JB: Selbstverständlich ...und noch mehr:Für Herbst 2010 ist gemeinsam mit dem Baumhaus-Verlag ein erster kleiner Jugendroman geplant. Er wird in einem kleineren Format erscheinen, ca. 100 Seiten haben, aber immer noch sehr viele Zeichnungen. Parallel denke ich sogar an einen richtig fetten Abenteuerroman für Jugendliche und Menschen die den Humor haben, einen Agententhriller mit einem Hund als Protagonisten zu genießen. Aber auch das ist noch nicht alles: Ein Animation-Kinofilm ist sogar in Vorbereitung. |
GN: Herr Birck, wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen viel Freude mit den Söhnen, der BMW und natürlich auch mit Ihren nächsten Projekten.
AK 50/09

