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Boom - Cruiser bevorzugt

 

Im Sommer machte die Ankündigung von Boom Schlagzeilen, alsbald mit zwei Modellen in den Markt der Conversion-Trikes einzusteigen. Doch mittlerweile rudert der schwäbische Trike-Spezialist ein wenig zurück: Während das XB 750 auf Basis der Honda VT 750 Shadow bei den ersten Präsentationen gut ankam, tat sich der Prototyp des XB 1700 auf Basis der Yamaha MT-01 im Ringen um Akzeptanz schwer. Was auch daran gelegen haben mag, dass eine derartige Muskelmaschine andere Anforderungen an ein Trike-Fahrwerk stellt als ein Cruiser, zumal dieser einen niedrigeren Schwerpunkt und mehr Baulänge mitbringt.

Boom XB 1700 Prototyp, der nicht in Serie geht

 

Dazu kommt, dass sich bislang in erster Linie Fans von Langgabel-Trikes für Fahrzeuge von Boom interessieren. Die aber kommen selten aus dem Motorradlager und dürften an ein Conversion-Trike auch weniger die im Solomotorradbereich verbreiteten Dynamikmaßstäbe anlegen. Vor dem Hintergrund weiteren Entwicklungsbedarfs und der hohen Kosten für eine Homologation lässt sich durchaus nachvollziehen, wenn man in Sontheim auf Experimente mit fraglichem Ausgang verzichtet und das XB 1700 nun - wenn auch bedauernswerterweise - in der Versenkung verschwinden lässt.  Andererseits stellt sich die grundsätzliche Fage, ob Anbieter von Conversion-Trikes nicht die Zielgruppe der Motorradfahrer stärker ins Visier nehmen sollten. Mit betulich wirkenden - wohlgemerkt nicht betulichen - Dreiern auf Basis von Supertourern (Gold Wing) oder Cruisern (Shadow, Intruder) funktioniert dies allenfalls ansatzweise. Denn schon deren Basismaschinen werden häufig als "Fahrstühle" für Leute beargwöhnt, denen jedes Verlangen nach sportlicher Dynamik abgeht. Welcher Solofahrer glaubt schon, dass man mit einem leistungsstarken Moto-Trike so manchen durchschnittlich begabten Solo-Gixxer oder -Fighter auf kurvigen Straßen zur Verzweiflung bringen könnte?  

 

Wie dem auch sei. Schon der Tatbestand, dass Boom als zweiter deutscher Custom-Trike-Hersteller nach Rewaco eine Perspektive für Conversion-Trikes sieht, lässt für die Zukunft hoffen. Das XB 750 wird nun in Serie gehen, die hubraumstärkeren VTX-Cruiser mit 1300 und 1800 ccm sollen alsbald folgen. Auch Umbauten mit den großen Suzuki-Cruisern sind angedacht. Dabei scheinen die Schwaben auf einem guten Weg. So bringt schon das XB 750 ein Fahrwerk mit, das auch für mehr Leistung taugt. Eine Nachlaufverkürzung mittels spezieller Gabelbrücken erleichtert das Dirigieren des niedrig bauenden Dreirades, ohne dass darunter Zielgenauigkeit und Geradeauslauf leiden. Telegabel sowie Vorderrad samt Bereifung in 120/90 x 17 und Einscheibenbremse werden von der Shadow übernommen. Der große Lenkeinschlagwinkel der VT macht das XB 750 wendig. Kleinere Fahrer können sich mit dem ausladenden Lenker allerdings schwer tun: Die Dosierung von Gas und Kupplung setzt bei vollem Lenkereinschlag Routine voraus.

 

 

Die beiden Hinterräder mit der Bereifung 255/40 x 17 werden von gezogenen Schräglenkern mit in der Federvorspannung stufenlos einstellbaren Bilstein-Dämpfern geführt. Durch die Einzelradaufhängung können Fahrbahnstöße präzise absorbiert werden, das Heck liegt ruhig. Die von Starrachsen-Vertretern gerne als Nachteil ins Feld geführte Neigungstendenz zur Kurvenaußenseite war auch bei zügiger Fahrt nicht festzustellen. Mit einer Spurbreite von 1060 mm ist das XB 750 hinreichend kippsicher. Verzögert wird es durch eine Kombibremse mit Zangen aus dem Automobilbau für die hinteren 280er Scheiben. Die Anlage ist so abgestimmt, dass die Räder nur bei extremem Druck auf das Pedal blockieren.  Mit den 46 PS der VT 750 ist dieses Fahrwerk kaum ausgelastet. Die Motorleistung reicht bei einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 130 km/h weniger für längere Autobahntouren als zum Flanieren über Stadt- und Landstraßen. Wer es häufiger eilig hat, muss sich also gedulden, bis Boom die größeren Modellvarianten seines solide verarbeiteten Trikes nachschiebt. Die sind dann allerdings nicht für moderate 16.900 Euro zu haben.

Kontakt: http://www.boom-trikes.com

Fotos: Axel Koenigsbeck (XB 750), Martin Franitza (XB 1700)

AK 49/09